Text by Roy Exley - German
Publications / Press >> Text by Roy Exley (German)Der hollandische Kunstler Ruud van Empel hat die di- gitale Manipulation fotografischer Bilder auf eine ho here Ebene gebracht.
Seine farbigen Fotografien sind keine Fotografien, sondern fotografisch:ihre Motive sind aus einer Myriade fotografischer Elemente syn- thetisiert. Van Empel verwendet Bruchstucke, Fragmente und Spuren fotografischer Bilder, eher so, wie ein Maler Farbe verwendet. Mit Photoshop oder ver- gleichbarer digitaler Software arbeitet er manchmal monatelang an der Synthese eines Szenarios und erschafft so komplexe und exotische Bilder. Er gibt nicht vor,in seinen Bildern die Wahrheit abzubilden oder die Wirklichkeit zu zeigen,aber sie sind derart nahtlos geschaffen,dass das Auge leicht getauscht wird und wir unwissentlich uberredet werden,an die Realitat dessen zu glauben,was eine absolute Fantasiewelt ist. Van Empel,der vom Theaterdesign zu Grafikdesign und Film uberwechselte,betrat die Welt der Fotografie von der kommerziellen Seite des Spektrums aus.Er kam in den fruhen 1990er Jahren zur Fotografie,arbeitete an fangs in Schwarzweiß,schuf Fotocollagen von Szenen der naturlichen Welt und ging relativ schnell uber zur Farbfotografie. Als Adobe Photoshop verfugbar wurde, waren die Tage manueller Fotocollagen gezahlt,und die von der digitalen Manipulation angebotenen erweiterten Moglichkeiten prasentierten eine neue Palette an Ent wicklungsmoglichkeiten. Seit Mitte der 1990er Jahre widmet er sich ganz der Kunstfotografie. Als van Empel sein Werk in einer Galerie in ’s-Hertogenbosch in den Niederlanden ausstellte,zeigte er eine Serie von Bildern blonder, blauaugiger Madchen und war sowohl geschockt als auch betroffen,als er fur diese Ausstellung ausschließlich weißer Madchen als Rassist und sogar als ›Nazi‹ bezeichnet wurde. Dies fuhrte zur Produktion von van Empels markantesten Bildserien. Als Erwiderungauf seine Kritiker schuf er seine Moon-, World-,Venus-Serien,welche die Unschuld der Kindheit durch meist schwarze Kinder darstellen.
Diese frontal aufgenommenen Porträts von Kindern,die von uppiger tropischer Vegetation umgeben sind,sind naturlich genauso ausgeklugelt wie die berühmten Dschungelbilder von Henri Rousseau, der fur seine Bilder im Pariser Botanischen Garten zeichnete. Die synthetischen Paradiese van Empels sprechen romantische Gefuhle an und sind nur um Haaresbreite von totalem Kitsch entfernt. Das Werk ist eine Parodie auf sentimentale und kitschige Bilder, aber es ist mit solchem Konnen und solch asthetischer Sensibilitat ausgefuhrt, dass sein bildlicher Eindruck seine satirische Botschaft wirkungsvoll ausblendet, und eben diese Schwelle zwischen Original und Rhetorikist es,die van Empel mit seinen letztlich verfuhrerischenBildern geschickt umschifft. Seine Arbeitsmethoden sind komplex,typischerweise aber fotografiert van Empel vier oder funf Modelle einer Agentur in seinem Studio. Dann macht er,wie Rousseau, eine Serie detaillierter Aufnahmen von Blattern, Blumen, Pflanzen und Insekten im Botanischen Garten. Hat er einmal Hunderte von Bildern gesammelt,beginnt er mit einem Auswahlverfahren und entscheidet,welche Bilder fur den gewunschten Effekt konfiguriert werden konnen. Daraus resultieren vollig neue und originale Schopfungen,Fantasiewelten,an denen teilzuhaben van Empel den Betrachter einladt.
ROY EXLEY